Brot und Spiele

Aktionstag
Datum: 15.07.2018 10:00 - 19:00

Veranstaltungsort: Archäologisches Freilichtmuseum

Wann: 15.07.2018, 10:00-19:00 Uhr

Wenn man die Deutschlandfähnchen weglässt, kann auch Fußball schön sein. Wer das WM-Finale nicht mit dem ewig gleichen Grillen und Brüllen bestreiten möchte, findet Alternativen im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Zum einen mit einem Blick auf die römische Massenunterhaltung der Gladiatorenspiele:  Jérôme Boateng wäre damals wahrscheinlich ein secutor  geworden, ein Verfolger. Und  der Linksfüßer Lionel Messi ein sceava - einer, der links kämpft. Die Gruppe LUDUS NEMESIS aus Hamburg zeigt nicht nur die Kämpfe, sondern auch die gesellschaftliche Funktion des blutigen Spektakels. Denn aus sozialpsychologischer Perspektive haben Gladiatoren und Fußballer nicht nur die Schienbeinschoner gemeinsam. Und wer weiß schon, dass viele Gladiatoren recht pummelig waren? Dies kam durch österreichische Grabungen im Gladiatorenfriedhof von Ephesos heraus. Denn Fett schützt vor Schnittverletzungen. Dabei war die Ernährung recht fleischarm: Der Gladiatoren-Spitzname war damals Getreideknirscher oder  Gerstenfresser.

Die Bedeutung von Gladiatorinnen wird ebenso wie die Bedeutung von römischem Damensport unterbewertet. So wurden immer wieder sehr knappe, tangaartige, rote Lederslips ausgegraben. Frauen trugen solche Höschen entweder mit oder ohne einen trägerlosen Büstenhalter, dem sogenannten Strophium. Der Männerblick auf diese Funde war klar: Lange Zeit hielt man die Lederslips  für Berufskleidung von Prostituierten. Bedingt durch unsere kulturelle Prägung denken wir bei knapp geschnittenen Höschen aus (rotem) Leder mit zarten Bändern und punziertem Lochmuster automatisch an Fetischmode. Dafür liefern allerdings weder die römische Literatur noch die Bilddarstellungen Anhaltspunkte. In der erotischen Kunst sind knappe Höschen nicht vertreten. Selbst die Liebesgöttin Venus wird nie mit einem Slip dargestellt. Solche Höschen tauchen ausschließlich im Zusammenhang mit Frauensport auf. Gisela Michel vom Römisch Germanischen Museum Köln hat diese erforscht und rekonstruiert. Im Museum präsentiert werden sie von einem Wäsche- Profimodel.

Und dann gibt es noch Knattleikr. Die Wikingervariante des Ballsports endete nach Auskunft der isländischen Sagas manchmal tödlich. Das Spiel wurde in der Regel über ganze Siedlungen und Eisflächen hinweg betrieben, der Ball war so beschaffen, dass er den Gegner aus ausknocken konnte. Im der frühmittelalterlichen Siedlung der Anlage wird Knattleikr mit der Seniorenmannschaft des TSV Oerlinghausen erklärt. In der Wikingerzeit betrieben es aber auch Zwölfjährige, sozusagen die Knattleikr D-Jugend.

Das echte WM-Finale kann man sich nach der Veranstaltung gemeinsam im benachbarten Kastanienkrug anschauen.

 

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  • 15.07.2018 10:00 - 19:00